Deutschland braucht laut Studie Zuwanderung
economics
23.04.2019

Deutschland braucht laut Studie Zuwanderung

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Der deutsche Arbeitsmarkt ist auf Zuwanderung aus Ländern außerhalb der EU angewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Der wesentliche Grund dafür sei die Alterung der Gesellschaft. Daran änderten auch der starke Zuzug von Ausländern der letzten Jahre und steigende Geburtenraten seit 2011 nichts. Deutschland sei aufgrund der starken Wirtschaft und einer stabilen politischen Verfassung zwar ein Migrationsmagnet geworden. Doch "nur durch Zuwanderung lässt sich der demografiebedingte Rückgang des Arbeitskräfteangebots auf ein für die Wirtschaft verträgliches Maß begrenzen", heißt es in der Studie, die vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung sowie von der Hochschule Coburg durchgeführt wurde.

Deutschland braucht mehr Fachkräfte aus dem Ausland
Demnach hat Deutschland bis 2060 einen jährlichen Einwanderungsbedarf von 260.000 Menschen. Die Zuwanderung aus der EU wird den Forschern zufolge nicht ausreichen, um den durch den Rückgang der einheimischen Bevölkerung entstehenden Bedarf auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen. Im Schnitt würden in Zukunft 114.000 Zuwanderer pro Jahr aus anderen EU-Staaten nach Deutschland kommen. Daher müssten jährlich rund 146.000 Menschen aus Drittstaaten einwandern.
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Die Forscher unterstellen in der Studie eine zukünftig höhere Geburtenrate sowie mehr Frauen und ältere Menschen, die arbeiten. "Doch selbst wenn Männer und Frauen gleich viel arbeiteten und in Deutschland eine Rente mit 70 eingeführt würde, könnte der Fachkräftebedarf nicht mit inländischen Mitteln gedeckt werden", so die Autor.

Es kommt der Studie zufolge nicht nur auf die Höhe der Zuwanderung an. Es sei wichtig, dass der Zuzug durch ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte gesteuert werde und Menschen mit Qualifikationen nach Deutschland kommen, welche auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden.

"Gefühl des Kontrollverlusts"
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In den Jahren 2015 bis 2017 seien knapp 2,3 Millionen Ausländer mehr nach Deutschland gezogen als weggezogen, heißt es weiter. Mittlerweile sei die Fluchtmigration zwar stark zurückgegangen. "Vor allem die Fluchtzuwanderung hat die Gesellschaft [allerdings] vor eine Belastungsprobe gestellt und in Teilen der Bevölkerung das Gefühl eines Kontrollverlustes hervorgerufen. Migrationsskeptische und ausländerfeindliche Bewegungen und Parteien erhielten dadurch Auftrieb und verstärkten ihrerseits Spaltungstendenzen in der Gesellschaft."

Für die Fachkräftesicherung in Deutschland sei Zuwanderung aber wichtig. Notwendig für ihre Akzeptanz sei "eine ganzheitliche Strategie, die das inländische Potenzial besonders berücksichtigt und dabei (..) Frauen, Mütter, Ältere, (Langzeit-)Arbeitslose, Geringqualifizierte sowie Menschen mit Behinderungen in den Blick nimmt."

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Die "Willkommenskultur" habe zwar ihren ersten großen Stresstest bestanden, so Autoren. Zugleich habe das Flüchtlingsthema die Vorteile und die Chancen der Einwanderung in den Hintergrund gedrängt. "So glauben immer mehr Deutsche, Einwanderung belaste den Sozialstaat, (…) bereite Probleme in den Schulen und verschärfe die Wohnungsnot."

Migration und Integration seien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, heißt es in der Studie. Ohne eine anhaltende Willkommenskultur und attraktive Integrationsangebote werde der Fachkräftemangel nicht ausgeglichen werden können.
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